Veranstaltung: | Landesmitgliederversammlung 2025-1 (Uelzen) |
---|---|
Tagesordnungspunkt: | #5.a.1 Sprecher*in (offener Platz) |
Antragsteller*in: | Lukas Kluge (LV Grüne Jugend NdS) |
Status: | Eingereicht |
Eingereicht: | 30.03.2025, 16:58 |
B1: Lukas Kluge
Bewerbung
27.01.2025. Holocaust-Gedenktag. Ein Unbekannter zerstört Kränze in der Gedenkstätte Ahlem, die zum Gedenken an die Opfer des nationalsozialistischen Massenmords niedergelegt wurden.
18.02.2025. Medien berichten: Die Polizei hat die Wohnung des Täters durchsucht. Sie finden eine Maschinenpistole mit Munition, sowie volksverhetzendes Material. Der NDR berichtet auch über die Parteimitgliedschaft des Mannes: Er ist Mitglied bei der AfD. Der Aufschrei in der Gesellschaft bleibt aus.
Der gewaltbereite Rechtsextremismus ist angekommen. In Niedersachsen. In Hannover. In der Gedenkstätte, in der ich jahrelang gearbeitet habe. In der Mitarbeitende inzwischen Angst um ihre Sicherheit haben und überlegen, wie lange sie dort noch arbeiten können. Über die regionale Presse ging die Meldung nicht hinaus, kurze Zeit später war sie wieder vergessen. Die Angst aber bleibt. Und ich weiß: Meine ehemaligen Kolleg*innen in der Gedenkstätte sind nur ein kleiner Ausschnitt der Menschen, die sich jeden Tag aufs Neue der Bedrohung von rechts ausgesetzt sehen.
Ihr Lieben,
es gab definitiv mal angenehmere Zeiten um politisch etwas zu bewegen. Besonders, um politisch etwas nach links zu bewegen. Rechtsextreme gewinnen überall auf der Welt an Macht, Milliardäre und Libertäre arbeiten zusammen an der Zerstörung von Sozialstaat und Demokratie und auch in Deutschland haben immer mehr Menschen das Vertrauen in unser System verloren. Und wir schauen zurück auf einen Wahlkampf, aus dem die AfD mit einem Rekordergebnis hervorgeht während wir von linken Mehrheiten weit entfernt sind.
Die Grünen sind mit ihrem Kurs zur Bundestagswahl gescheitert. Klimaschutz wurde als Thema kaum gesetzt, soziale Themen waren Nebensache, dafür wurde die Verteidigung des Status Quo immer wieder beschworen und wir bekamen einen Personenkult, der zum Teil wirklich absurde Züge annahm. Am Ende konnten die Grünen den Menschen nicht erklären, wie sich ihr Leben durch die eigene Politik spürbar und konkret verbessern würde. Und gerade viele junge Menschen, die keinen Bock auf Merz und die CDU hatten, dafür aber auf faire Löhne und günstige Mieten, haben dann eben die Linken gewählt.
Wir als Grüne Jugend halten hingegen unseren Kurs: Während sich unsere Mutterpartei im Wahlkampf gerade im Bereich Migration von rechten Narrativen hat leiten lassen, haben wir stabil zu unseren Werten gestanden und diese verteidigt. Wir sind mit den Leuten ehrlich ins Gespräch gegangen über zu hohe Mieten, über den Rechtsruck, über die Klimakrise und wir haben diesen Wahlkampf gerockt!
In den Gesprächen während des Wahlkampfs ist mir aufgefallen, dass viele Menschen das Gefühl haben im Stich gelassen zu werden. Vom Staat, von der Gesellschaft, vom Vermieter, manchmal auch alles gleichzeitig. Und das hat einen Grund: Deutschland ist für viele Menschen immer noch ein ungerechtes Land. Wie ist es zu erklären, dass die Schere zwischen Armen und Reichen seit Jahren immer größer wird? Wie kann es sein, dass immer noch jeder vierte junge Erwachsene zwischen 18 und 24 in Armut lebt oder armutsgefährdet ist? Wie kann es sein, dass in einem Land wie Deutschland Menschen wohnungslos werden, weil sie ihre Mieterhöhung nicht zahlen können? Das alles ist kein Zufall, es hat System und das System heißt Kapitalismus.
Obwohl Viele sehr skeptisch sind, den Kapitalismus als Ganzes in Frage zu stellen, lassen sich in der Gesellschaft trotzdem Mehrheiten für einzelne Projekte, wie den Rückkauf von Energieversorgung in die öffentliche Hand oder die Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen gewinnen. Daseinsvorsorge gehört in die öffentliche Hand, ohne Wenn und Aber!
Gleichzeitig müssen wir Klimaschutz zurück auf die Agenda bringen! Ich selbst bin durch Fridays for Future zur Grünen Jugend gekommen. Klimaschutz ist ein Herzensanliegen für mich, welchem ich wieder mehr Priorität geben möchte. Während wir jedes Jahr inzwischen mehrere „Jahrhundertfluten“ oder riesige Waldbrände erleben, bekommt man in der politischen Debatte gleichzeitig das Gefühl, es gäbe gar keine eskalierende Klimakrise. Hier liegt es an uns, das Thema Klima wieder aktiv in die Debatte zu bringen! Je mehr wir über Klimaschutz reden, desto mehr Legitimität bekommen unsere Forderungen! Denn wenn wir das Thema nicht setzen, macht es am Ende niemand. Konkret heißt das: Wir müssen vor Ort sein, laut sein und demonstrieren, wenn neue Autobahnen gebaut, Wälder gerodet oder Gasbohrungen vor Borkum geplant werden!
Gerade unter einem Bundeskanzler Friedrich Merz müssen wir uns aber auf weitere üble Dinge einstellen, vor allem im Bereich Migration und Asyl. Wenn man der CDU zuhört bekommt man das Gefühl, das Asylrecht sei eher so eine unverbindliche Empfehlung. Unsere Stärke als GJ liegt darin, dass wir hier über die letzten Jahre hinweg immer glaubwürdig gewesen sind. Hier müssen wir stabil bleiben! Die Kriminalisierung von Seenotrettung, Pushbacks und Elendslager an den EU-Außengrenzen: Nichts davon ist normal und wir müssen den Kräften, die eine Normalisierung dessen vorantreiben, Einhalt gebieten! Hoffentlich bald wieder mit den Grünen an unserer Seite.
Und wenn Konservative und Rechte mal nicht versuchen die Rechte von Geflüchteten zu beschneiden, dann trifft es oftmals FIT*-Personen. Unsere Antwort darauf: Feminismus und solidarische Männlichkeit! Wir brauchen mehr Menschen, die sich als Feminist*innen verstehen und sowohl in unserem Verband wie auch in der Gesellschaft mehr solidarische Männer. Solidarische Männlichkeit bedeutet für mich, sich auch als Mann aktiv für den Abbau patriarchaler Strukturen einzusetzen. Der Kampf um Frauenrechte und Rechte queerer Menschen ist kein Kampf, in dem wir FIT*-Personen alleine lassen! Bei der Abschaffung von §218 genauso wenig wie bei der Schaffung eines Gesprächsklimas im Plenum, mit dem sich alle FIT*-Personen wohlfühlen.
Die politischen Kämpfe, die wir als Grüne Jugend kämpfen, sind total vielseitig und trotzdem haben sie alle eine Gemeinsamkeit: Egal zu welchem Thema, wir erreichen unsere Ziele am besten indem wir uns in Bündnissen vor Ort zusammentun! Der Wahlkampf hat es erneut bestätigt: Unsere Kreisverbände sind das Herzstück des Verbands. Ohne KVn läuft in diesem Verband nichts. Daher besteht unsere Aufgabe im Landesvorstand in den nächsten Monaten darin, unsere Kreisverbände zu unterstützen und zu befähigen, ihre lokalen Kämpfe zu finden und zu gewinnen! Sei es eine Verhinderung des Neubaus der A39 bei Lüneburg und Uelzen, der Protest gegen den nächsten Faschoaufmarsch in Göttingen oder das Aufbrechen sexistischer Abläufe beim Gildefest in Wildeshausen! Unser Bündnis fängt hier miteinander in unserem Verband an!
Ich bin Lukas, 22 Jahre alt und studiere Politikwissenschaft in Hannover. Zuletzt war ich Beisitzer im Landesvorstand. Nun möchte ich meine Erfahrung aus der Arbeit im Kreisverband und meine Fähigkeiten in Aktionsplanung, Bündnis- und Öffentlichkeitsarbeit einbringen. Ich habe richtig Bock den Verband mit Euch gemeinsam weiterzuentwickeln! Und ich bin bereit mit meinem Gesicht für diesen Verband zu stehen.
Die nächsten Jahre unter der Regierung von CDU und SPD werden sicher nicht einfach. Und genau da braucht es jetzt eine schlagkräftige Grüne Jugend! Deshalb bewerbe ich mich als Landessprecher der Grünen Jugend Niedersachsen.
Wenn Ihr Fragen an mich habt, zu meiner Bewerbung oder zu meinen Vorstellungen für die Zukunft der Grünen Jugend, dann schreibt mir sehr gerne über Telegram oder Insta :)
seit 2021 Mitglied Grüne Jugend
2023-2024 Sprecher GJ Hannover
seit 11/2024 Beisitz im Landesvorstand
Herzensthemen: Demokratie & Antifaschismus, Sozialpolitik, Klimaschutz
außerhalb der GJ: seit 2024 Mitarbeiter im Büro Michael Lühmann
Ihr erreicht mich über: Telegram (lkluge) und Instagram (lukas__klg)